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Presseinfo

Evelyn Hofer meets Richard Lindner

Die Fotografin und der Maler in New York

Presseinfo vom 22.04.2022

Das Neue Museum Nürnberg präsentiert ab Freitag, 24. Juni 2022 die Ausstellung Evelyn Hofer meets Richard Lindner. Eine besondere Fotografin, ein reno­mmier­ter Maler und das Verhältnis der beiden zum Mythos New York, darauf fokussiert sich die Ausstellung. Sie entstand anlässlich des 100. Geburtstags von Evelyn Hofer im Januar, der „berühmtesten ‚unbekannten‘ Fotografin Amerikas“ (Hilton Kramer), sowie des 120. Geburtstags des Malers Richard Lindner Ende 2021. Pas­send dazu stehen 100 Fotos von Evelyn Hofer, überwiegend „street photo­gra­phy“, im Mittel­punkt der Schau, die bereits in ihrer Architektur das Block­raster Man­hattans auf­greift.

Im Exil in der Großstadt

Den Rahmen der Ausstellung bilden die Großstadtbilder Evelyn Hofers von New York. „In New York ist jeder ein Selbstdarsteller“, bemerkt Richard Lindner, „die Stadt ist eine gigantische Bühne, vierundzwanzig Stunden täglich.“ Die Fotos von Evelyn Hofer widmen sich dieser Bühne und den Szenen, die sich darauf ereignen. Durch die gemeinsame Erfahrung der Metropole, die in den 1950er und 1960er Jahren Paris den Rang als Weltkunsthauptstadt abläuft, entstehen motivische Über­schnei­dungen, die reizvolle Gegenüberstellungen und Vergleiche ermög­li­chen. Die Großstadtikonografie der multiethnischen Bevölkerung, der Sky­scraper und Straßen­schluchten und der lauten Werbebot­schaften in Gestalt von Neon­schriften und Billboards findet sich sowohl in den Foto­grafien Hofers als auch in den Gemälden, Grafiken und Zeich­nungen Lindners. Der Großteil der ausge­stell­ten Großstadt­bilder stammt aus den Jahren 1963 bis 1965, als die Fotografin an dem Band New York Proclaimed (1965) arbeitet. Das Fotobuch wird ihr zentrales Medium, die Texte namhafter Autoren bilden das Pendant zu ihren Bildern. Sie widmet im Laufe ihres Lebens zahlreichen amerika­nischen wie europäischen Groß­städten und Ländern einen eigenen Band.

Paare

Die Ausstellung zeigt Hofer und Lindner als zwei sehr individuelle Künstler­per­sön­lichkeiten, die in unterschiedlichen Medien arbeiten. Hofer und Lindner ver­bindet aber das Schicksal der Emigration und existentiellen Fremdheit in der neuen Stadt fern der Heimat. Sie lernen sich in New York kennen, wohin die ge­lernte Fotografin Hofer 1946 zieht und schon bald zum Freundeskreis des eben­falls aus Deutschland stammenden Künstlers zählt. Kurzzeitig selbst ein Paar, hält ihre Freundschaft ein Leben lang. Zu den bekanntesten Foto-Essays von Hofer zählt die Serie Just Married, als die Fotografin 1974 für das Life Magazine ein New Yorker Standesamt besucht und die frisch verheirateten Paare dort fotografiert. Lindner dagegen setzt sich in zahlreichen Bildern und Zeichnungen mit dem Thema auseinander.

Stillleben

Den Endpunkt der Ausstellung bilden altmeisterlich anmutende Stillleben-Foto­grafien in Farbe, die „wie gemalt“ aussehen. Evelyn Hofer soll angesichts einer Post­karte mit einem Stillleben von Zurbarán gesagt haben soll: „It’s really a shame that photography was invented“ („Es ist eine Schande, dass die Fotografie erfunden wurde“). Für sie war die Malerei immer der Fotografie überlegen; diese Bewunderung ging so weit, dass sie selbst versuchte, die Malerei zu erlernen. Mit der noch in New York realisierten fotografischen Serie erweist Hofer der Malerei ihre Reverenz, indem sie alte Meisterwerke zitiert. Gleichzeitig wird so die male­rische Qualität ihrer Fotografien in diesem letzten in New York entstandenen ge­schlos­senen Werkzyklus hervorgehoben.

Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit The Estate of Evelyn Hofer und Galerie m, Bochum.

Laufzeit

24. Juni bis 9. Oktober 2022