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Presseinfo

Claus Feldmann

Ground Control

Presseinfo vom 24.02.2022

Manche Künstlerinnen und Künstler beschäftigen sich mit der Frage, was passiert, wenn fotografierte Realität nur ein Modell ist. Sie vertreten eine Spielart zeit­genössischer Kunst, die sich zwischen Täuschung und Desillusionierung bewegt.

Zwei Räume mit älteren S/W- und neueren Farbfotos von Claus Feldmann (geb. 1956 in Neuenkirchen, Landkreis Osterholz) stellen den Künstler in die Reihe anderer Modellfotograf_innen wie Thomas Demand, Oliver Boberg, Laurie Simmons oder Edwin Zwakman. Auch diese Künstler_innen hat das Neue Museum bereits ausgestellt.

Claus Feldmanns Fotos entführen in Szenerien, ja ganze Welten, die gerade dadurch anziehen, weil sie schaudern machen. Ein wohliger Schauder, denn schnell wird klar, dass die eisigen Meere, die nächtlichen Städte, gruseligen Kellertreppen und fernen Planeten nur nachgebaut sind. Seine Schauplätze erzählen Geschichten – auch ganz ohne handelnde Personen.

Fernsehen und Kino haben Orte und Räume so sehr mit Erwartungen aufgeladen, dass wir ahnen, was gleich passieren wird. Claus Feldmann macht sich diesen Effekt zunutze, um mit seinen neueren Farbfotos Sets of Unshot Films (Kulissen nicht­gedreh­ter Filme) das Kopfkino zu starten. Da stört es nicht, dass seine selbstgebauten und fotografierten Sets nur im Miniaturformat existieren. Ganz im Gegenteil: Der Maßstabssprung spielt mit dem Reiz von Modellen und verleiht den Bildern so etwas Geheimnisvolles. Sie sind dank ihres Detailreichtums und geschickter Ausleuchtung atmosphärisch suggestiv genug, um die Illusion zu erwecken. Und mit ihr unser untrügliches Gespür für ein Vorher und Nachher. Gleichzeitig verraten Feldmanns Sets bereitwillig ihren Ursprung in der „Baste­lei“. Täuschung und Ent-Täuschung halten sich exakt die Waage. Dort, wo die Illusion abbricht, kann sich die Reflexion einhaken.

Malerisch, ja mitunter romantisch wirken Feldmanns frühe Fotos von 1990, bei denen er die lichtempfindliche Bromsilbergelatine direkt auf grundierte Press­span- oder Sperrholzplatten aufstrich. Pur und roh mutet diese Technik an, als suche der Künstler nach den Ursprüngen der Lichtbildnerei. Auch die harten Hell-Dunkel-Kontraste verunklären die dargestellten Dinge und Szenen, die sich einer schnellen Identifikation entziehen, um desto nachhaltiger unsere Fantasie zu beschäftigen. Atmosphärisch überwiegt das Düstere und Bedrohliche. Selbst harm­lose Spielfigürchen von Cowboys und „Indianern“ wirken bedrohlich, wenn ihre groben Gesichter makro-fotografisch ins Bild gebannt werden. Die Wieder­ent­deckung dieser frühen Arbeiten gab den Anstoß zur Einrichtung der beiden Sammlungsräume.

Nach seinem Studium in den 1980er Jahren an der Nürnberger Akademie der bildenden Künste bei Werner Knaupp ging Claus Feldmann 1991/92 an das renom­mierte American Film Institute nach Los Angeles. Zu seinen Lehrern zählte Robert Boyle, der Production Designer für die Hitchcock-Filme North by North­west (Der unsichtbare Dritte), Die Vögel und Marnie. Die Begegnung wurde prä­gend für Feldmanns weiteres Werk. Das Kino bedeutet für Feldmann die Quelle seiner Kunst. Auch heute noch zitiert der Künstler mit Vorliebe Alfred Hitchcock, der die Vorzüge der nachgebauten Realität gegenüber der vorgefundenen wie kein zweiter Regisseur zu schätzen wusste. Hitchcock sagte: „Die Realität hat keine Bedeutung, wenn die Illusion wirkungsvoll ist.“ Was im Endeffekt auch die Arbeit mit Miniaturmodellen legitimiert.

Laufzeit

Ab 25. Februar 2022