Vorübergehende Schließung des Neuen Museums

Aufgrund der dynamischen Verbreitung des Corona-Virus hat die Bayerische Staatsregierung angeordnet, die staat­lichen Museen und Sammlungen vor­übergehend zu schließen. Das Neue Museum Nürnberg hat daher ab dem 14. März 2020 bis zunächst ein­schließ­lich 19. April 2020 geschlossen.

Wir bedanken uns für Ihr Verständnis.


Sammlung

This is not...

Aus der Sammlung Block: Jaro­sław Koz­łowski und Chris­tine Mol­drickx

Zu den treuesten Freunden des Neuen Museums zählt René Block, der früh große Teile seiner Sammlung dem Neuen Museum als Dauerleihgaben anvertraut hat. Der ehemalige Fluxus-Galerist ist bis heute als Kurator tätig. Als Beitrag zum Jubi­läumsprogramm porträtiert René Block in Zusammenarbeit mit dem Museum einen Altmeister der polnischen Konzeptkunst sowie eine vielsprechende junge Künst­lerin aus Düsseldorf. Der Generationsabstand zwischen Jarosław Kozłowski (geb. 1945) und Christine Moldrickx (geb. 1984) unterstreicht, dass Block keines­wegs mit „seinen“ ehemals von ihm vertretenen Künstler_innen alt geworden ist.

„This is not …“ zitiert die früheste der drei präsentierten Arbeiten von Jarosław Koz­łowski aus dem Jahre 1973, in der der Künstler den Realitätsstatus eines schwarzen Quadrats befragt. „This is not …“ erinnert nicht zufällig an das be­rühm­te „Dies ist keine Pfeife“ von René Magritte. Doch Jarosław Kozłowski ging weit über die Sprachbilder des belgischen Surrealisten hinaus, als er in seinem Früh­werk linguistische und logische Modelle untersuchte. Er trug damit der Be­deutung von Sprache für die Konzeptkunst Rechnung und wurde zum „Gram­ma­tiker“ dieser Spielart der zeitgenössischen Kunst. René Block hatte den polnischen Künstler schon 1985 in der Berliner Galerie des DAAD vorgestellt, wo Block als Pro­jektleiter Bildende Kunst des Berliner Künstlerprogramms des DAAD tätig war. Erst vor Kurzem stellte er ihn in seiner Kunsthalle auf der dänischen Insel Møen mit einer Arbeit von 2005 aus, die nun nach Nürnberg geht. 15 an der Wand befestigte Teller mit Farbpigmenten, darüber Tücher, die Spuren der ent­spre­chen­den Pigmente tragen, als hätte jemand daran seine Hände getrocknet. Zu­ge­ord­ne­te Namen von Orten, an denen weltweit Massaker stattfanden, werfen die Frage nach der Unschuld autonomer Kunst auf.

„This is not …“ ließe sich auch auf alle drei Objektkunstwerke von Christine Mol­drickx beziehen, da sie auf alltägliche Dinge anspielen, ohne sie tatsächlich zu sein. Das Blatt aus der Süddeutschen Zeitung, das mit Kot verschmutzt in einem Karton liegt, über dem eine Wärmelampe hängt, entpuppt sich als Zeichnung (Vo­gelbox). Der ungeschlachte Pullover, der über einem Bügel frei im Raum schwebt, erklärt seine im Titel genannte Zweckbestimmung (Für die Schwerelosigkeit) durch sein Material. Es handelt sich nämlich um ein eisernes Kettenhemd. Ebenso wenig hat ein an der Wand befestigtes, von der Künstlerin geformtes Becken mit Sanitärkeramik zu tun. Es ist vielmehr ein Ort des Übergangs in eine andere Welt. Die Künstlerin spricht von einem „liminal object“, also einem Schwellenobjekt. Das englische Substantiv „sink“ für „Waschbecken“ bedeutet als Verb so viel wie „versinken“. Solche Ambivalenzen sind kennzeichnend für die Kunst Christine Mol­drickx‘, die ebenso sinnlich präsent wie intellektuell herausfordernd ist.

Ab Juli 2020.