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Presseinfo

Symposion Urbanum Nürnberg

Presseinfo vom 15.06.2021

Presseinfo des Planungs- und Baureferats der Stadt Nürnberg:

Ein Kooperationsprojekt, getragen vom Planungs- und Baureferat der Stadt Nürnberg entwickelt in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Nürnberg im KunstKulturQuartier und dem Neuen Museum – Staatliches Museum für Kunst und Design Nürnberg.

Im Zuge der Neugestaltung von öffentlichen Räumen und Plätzen wird die Kunst im öffentlichen Raum auch in den kommenden Jahren einen wichtigen Platz ein­nehmen. Für die zukünftige Stadtgesellschaft ist ein lebenswerter Stadtraum von großer Bedeutung, Stichworte sind etwa Stadtgrün, Klimawandel oder Mobi­lität. Die zeitgenössische Kunst kann zu diesen Themen und zur Neu­defi­nition des öffentlichen Raumes für das 21. Jahrhundert einen wichtigen Beitrag leisten.

Im Dürer-Jahr 1971 anlässlich des 500. Geburtstags des großen Sohnes der Stadt Nürnberg entstand aus einer privaten Initiative ein Skulpturen-Projekt, das sich als eines der nachhaltigsten im Zuge der Jubiläumsfeierlichkeiten erwies: Das Bildhauertreffen Symposion Urbanum Nürnberg 71 legte bewusst einen Fokus auf die internationale Gegenwartskunst. Von ursprünglich 29 Objekten, die die eingeladenen internationalen Künstler und Künstlergruppen damals vor Ort fertigten, bereichern heute noch 26 den Stadtraum. Die Aufbruchsstimmung, die Nürnberg vor 50 Jahren erfasste, spiegelt sich in diesem ehrgeizigen und mutigen Projekt wider, das aufgrund seiner Internationalität, seines engagierten Charak­ters und seines in die Zukunft gerichteten Blicks beeindruckt und zugleich eines der ersten Bildhauer-Symposien im urbanen Raum war.

Das Projekt Symposion Urbanum Nürnberg, das vom Planungs- und Baureferat der Stadt Nürnberg getragen und in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Nürnberg im KunstKulturQuartier und dem Neuen Museum – Staatliches Museum für Kunst und Design Nürnberg entwickelt wurde, nimmt dieses Jubiläum zum Anlass den öffentlichen Stadtraum als Ganzes stärker ins Blickfeld zu rücken. Vom 9. Juli 2021 bis 23. Januar 2022 wird mit Ausstellungen, einer Tagung, verschiedenen Publikationen, einer neuen Website und einem umfang­reichen, analogen und digitalen Veranstaltungsprogramm der öffentliche Raum und die Kunst in ihm und für ihn in ihren vielfältigen Formen vorgestellt und diskutiert. Zugleich unterstreicht dieses Projekt die Pläne des städtischen Planungs- und Baureferats, die zeitgenössische Kunst bei der Definition, der Debatte über und der Nutzung von Orten und Plätzen in Nürnberg noch stärker einzubeziehen. Es geht also nicht darum, „nur“ Kunst im öffentlichen Raum zu platzieren, der öffentliche Raum soll auch mit Mitteln der Kunst zeitgemäß neu diskutiert werden.

Die während des 1971er-Symposions entstandenen Skulpturen spiegeln eine große Bandbreite des künstlerischen Schaffens der frühen 1970er-Jahre wider und haben zum Teil bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren. Als eine der ersten Städte stand Nürnberg Pate für die Idee einer „Kunst für alle“ ohne Zäune, Ein­trittskosten oder andere Hemmschwellen, die den Diskurs zwischen Bürgerinnen und Bürgern sowie Künstlerinnen und Künstlern fördern sollte. Dass dieser bis zur offenen Konfrontation führen kann, zeigen die Geschichten der Plastiken von Haus-Rucker-Co oder Erich Hauser, die mehrmals zerstört oder beschädigt wurden.

Auch wenn manches Graffiti entfernt oder andere Schäden behoben werden müssen und auch der Zahn der Zeit nicht vor den Kunstwerken Halt macht, sollen sie auch nach 50 Jahren von der spannenden Zeit des Aufbruchs der Kunst im öffentlichen Raum in Nürnberg erzählen. Zum Jubiläum wurden deshalb einige Werke in den vergangenen Monaten aufwendig saniert und restauriert.

Für die kommenden Jahre plant die Stadt Nürnberg zahlreiche neue Kunst­projekte, um den Stadtraum für alle Menschen attraktiv und lebenswert zu erhalten. Die im Juli startenden Ausstellungen und Veranstaltungen stehen am Beginn eines hoffentlich lebendigen Austausches mit den Nürnbergerinnen und Nürnbergern über die zukünftige Entwicklung und Gestaltung des urbanen Raums.

Heute ist es kaum vorstellbar, dass die anlässlich des Symposion Urbanum Nürnberg 71 aufgestellten Kunstwerke so heftige Proteste und wiederholte Demolierungen provoziert haben. Die am 9. Juli 2021 beginnende Ausstellung Art Attacks! 50 Jahre Kunst im öffentlichen Raum Nürnberg im Foyer des Neuen Museums Nürnberg greift den damaligen, lokalen und überregionalen Diskurs auf und beleuchtet das Thema des Kunstvandalismus auf vielfältige Weise.

Ausgehend von den 1971 am heftigsten attackierten Werken, der mehrfach aufgeschlitzten pneumatischen Plastik Wegweiser der Künstlergruppe Haus-Rucker-Co und der zeitgleich zum Symposion Urbanum Nürnberg 71 aufgestellten Wand aus Stahlelementen von Erich Hauser, fragt die Ausstellung nach den Ursachen der Debatte und zieht dabei auch Parallelen zu der 35 Jahre später ebenso heftig auflodernden Kritik anlässlich Olaf Metzels temporärer Installation Auf Wiedersehen (2006) am Schönen Brunnen in Nürnberg und zu anderen Kunstskandalen weltweit.

Exakt zum 50. Jahrestag der Eröffnung des historischen Skulpturenprojekts am Samstag, 10. Juli 2021, beginnt das sommerliche Outdoor-Programm mit Spaziergängen und Radtouren, die zu den Werken des Symposion Urbanum Nürnberg 71 führen. Dabei reicht das Spektrum von vertrauten Objekten, die mittlerweile fest zum Stadtbild gehören, wie Karl Prantls schwarzer Granitstein am Hauptmarkt oder Maciej Szańkowskis rotbraune Stahlplastik am Hallertor, bis hin zu Werken, die nun anlässlich des Jubiläums wiederentdeckt werden können, darunter auch die längste Skulpturengruppe des japanischen Bildhauerkollektivs um Makoto Fujiwara in Langwasser.

Darüber hinaus bieten ein Kurzführer, ein Stadtplan und die neue Website www.su-nuernberg.de weiterführende Informationen zu den Kunstwerken und ermöglichen auch individuelle Rundgänge.

Im Herbst wird das Symposion Urbanum Nürnberg 71 aus anderer Perspektive und im Kontext der gesellschaftlichen und künstlerischen Aufbruchsstimmung betrachtet. So diskutierte man in Kassel zeitgleich Arnold Bodes Idee einer „documenta urbana“, während in Hannover zwischen 1970 und 1974 die erste internationale Skulpturenmeile im urbanen Raum entstand und in Münster die Grundlagen für die Skulptur Projekte (erstmals 1977) geschaffen wurde. Die am 15. Oktober beginnende Ausstellung In Situ? Über Kunst im öffentlichen Raum in der Kunsthalle Nürnberg zeigt, wie nah Nürnberg damals am Puls der Zeit war, und schlägt den Bogen von den 1970er-Jahren bis in die Gegenwart. Sie doku­mentiert, wie sich der Begriff des Ortsspezifischen in den letzten 50 Jahren erweitert und verändert hat – von der ausdrücklichen Bindung an die umgebende Architektur und den Standort einer Skulptur über ein diskursives und offenes Verständnis von räumlichen und sozialen Beziehungen an einem Ort bis hin zu ortsunabhängigen Formen oder handlungsorientierten Praktiken. Und mit der Frage nach dem In Situ? der Kunst wird auch ersichtlich, wie sich die Orte, Plätze und Straßen im urbanen Raum im Laufe der Zeit verändert haben, etwa durch Gentrifizierung, wirtschaftliche Nutzung oder Verkehrsführung.

Mit Fotografien, Modellen, Videofilmen und Zeichnungen präsentiert die Aus­stellung eine exemplarische Auswahl der vielfältigen Formen der Kunst im Stadt­raum, die von der autonomen Skulptur über die funktionale Gestaltung von Plätzen oder Tunneln bis hin zum partizipativen Prozess reicht.

Aktuelle Informationen unter
www.su-nuernberg.de (ab 8. Juli 2021)
www.kunstkulturquartier.de/Kunsthalle

Tagung

Vom 21. bis 23. Oktober 2021 widmet sich eine Tagung aktuellen Themen der Kunst im öffentlichen Raum, insbesondere den zeitgemäßen Formen der Defi­nition des öffentlichen Raumes, der Erinnerungskultur und des Gemeinsinns, die für die heterogene Stadtgesellschaft auch in Zukunft eine bedeutende Rolle spie­len werden. Konzipiert wird die Tagung von Prof. Dr. Joerg Heiser, Direktor des Instituts für Kunst im Kontext und Dekan an der Universität der Künste in Berlin.

Laufzeit

9. Juli 2021 bis 23. Januar 2022

Projketverantwortliche

Kurator*in der Ausstellung Art Attacks! 50 Jahre Kunst im öffentlichen Raum Nürnberg:

Susann Scholl, Stadt Nürnberg Hochbauamt-Kultur
Linus Rapp, Neues Museum Nürnberg

Outdoorprogramm

Neues Museum Nürnberg
Kunst- und Kulturpädagogisches Zentrum in Nürnberg
Stadt Nürnberg, Hochbauamt-Kultur

Kuratorinnen der Ausstellung In Situ? Über Kunst im öffentlichen Raum

Ellen Seifermann, Kunsthalle Nürnberg im KunstKulturQuartier; für das Projekt Symposion Urbanum Nürnberg 71: Susann Scholl/Stadt Nürnberg Hochbauamt-Kultur

Kurator der Tagung

Joerg Heiser, Institut für Kunst im Kontext, Universität der Künste in Berlin

Projektleitung Symposion Urbanum Nürnberg

Andreas Wissen, Planungs- und Baureferat der Stadt Nürnberg