Sammlung
ab 21.09.2018

Beat Zoderer

Licht und Leere

Der Schweizer Künstler Beat Zoderer (geb. 1955) ist ein anarchischer Konkreter, der es meisterlich versteht, die Hermetik und Dogmatik von Geometrie und Abstraktion aufzubrechen. In Anlehnung an Friedrich Nietzsche ließe sich von einer „fröhlichen Konkretion“ sprechen. Das gemalte Tafelbild wird entthront. Zoderers Kunst nimmt in der Regel ihren Ausgang von kunstfernem Material, das seine Farbigkeit mitbringt. Der Künstler sucht das Alltägliche und zieht deshalb Baumärkte, Schreibwaren- oder Handarbeitsläden dem Künstlerbedarf vor. In den Materialangaben zu Zoderers Werken tauchen wie selbst­verständlich Klebe­streifen, Textilbänder, Bleche, Armiergitter, ja unter Umständen auch Tasten von ausrangierten Computertastaturen auf. „Und plötzlich sieht man das Material, was man kennt, fast täglich auch sieht und braucht, in einem anderen Kontext“, sagt Zoderer. Dieselbe Experimentier­­freudigkeit kennzeichnet seine Techniken, die auch vor dem Einsatz von Schlagschnur, Stockhammer und Schneiderad nicht haltmachen.

„Mich interessieren eigentlich eher die Löcher in einem Raster oder System“: Zum ersten Mal überhaupt thematisiert Beat Zoderer in seiner Sammlungs­präsentation im Neuen Museum das Phänomen der Leere als unabdingbares Komplement zur Form. Zur Leere tritt das immaterielle Licht: In den drei Fassaden­räumen des Erdgeschosses installiert Zoderer eine Reihe leuchtender Werke, darunter ein 3,5 Meter großer Ballon, der mit 24 verschie­denfarbig bemalten Leuchtstoff­röhren behangen ist.