Sicherer Museumsbesuch

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Sammlung
ab 09.12.2022

Drei Hubwagen und ein Blatt Papier

Die Edition Block 1966 – 2022

René Block zählt seit den 1960er-Jahren zu den wichtigsten Köpfen im europäi­schen Kunst­betrieb. 1964 eröffnete er in Berlin eine Galerie, in der Kunst­ge­schichte geschrieben werden sollte. 2022 – mittlerweile 80-jährig – arbeitet er als Künstlerischer Leiter an der Riga-Biennale, die von Mitte Juli bis Anfang Oktober stattfinden 2022 wird.

Für das Neue Museum bedeutet es eine Auszeich­nung, dass es seit mehr als zwan­zig Jahre große Teile der Sammlung Block beher­bergen darf, darunter wichtige Werke von Joseph Beuys, Sigmar Polke, Wolf Vostell und vielen Fluxus-Künstlern, denen Blocks besondere Aufmerk­samkeit galt. Aufgrund dieser Verbundenheit mit Nürnberg startet im Neuen Museum Im Herbst 2022 eine Ausstellung zur Geschichte der Edition Block, die weitere Stationen in Deutschland und Europa haben soll.

Mit der Edition Block, die ihre Arbeit 1966 in der Berliner Schaperstraße auf­nahm, schuf der Galerist ein Instrument zur „Demo­kratisie­rung und Sozia­lisie­rung des Kunstmarktes“. Die Edition Block zählt zu den ältesten Herausgebern von Auflagen­objekten und Druck­grafiken interna­tionaler zeitgenös­sischer Künst­lerinnen und Künstler. Originale zum kleinen Preis anbieten zu können, entsprach dem Anliegen René Blocks, zeitgenös­sische Kunst in die Gesell­schaft hinein­zutra­gen – ganz im Geiste der von Fluxus entwickelten Utopie einer Verschmel­zung von Kunst und Leben.

Am Anfang waren es die Künstler der Galerie, die Arbeiten für die Edition schufen. Später kamen andere hinzu. Heute liest sich das Künstler­verzeich­nis wie ein „Who‘s who“ der jüngeren Kunst­geschichte. Gleichzeitig spiegeln sich darin die Entdeckungen René Blocks, der ausge­trampelte Pfade verließ, um die Peripherie Europas zu erkunden. Berühmte Editionen wie der Schlitten oder der Filzanzug von Joseph Beuys erwiesen sich sogar als lukrative Kapitalanlage. Doch darum ging es Block nie. Ihm bedeutete Kunst immer etwas Geistiges mit dem Potential zur Veränderung der Gesellschaft.

Als Titel der Schau wählte Block die Beschreibung eines Multiples von Alicja Kwade. Ihre gebogenen und damit dysfunktional gewordenen Hubwagen in den drei Primärfarben werden durch ein „Blatt Papier“ – gemeint ist das Zertifikat – zum Kunstwerk. Editionen wie diese beweisen, dass René Blocks Credo „Dem Multiple gehört die Zukunft" bis heute nichts an Überzeugungskraft verloren hat.