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Sammlung
ab 18.03.2021

Johannes Grützke

Der Blick aus dem Bild

Realismus zielt nicht auf die Oberfläche der Dinge, sondern er entlarvt, enthüllt, stellt vielleicht sogar bloß. Er ist das geeignete Instrument, um den Finger in die Wunden des Zeitgeschehens zu legen. Johannes Grützke (1937 – 2017) hat vor allem in den 1960er- und 1970er-Jahren Bilder gemalt, die provozierten, weil sie in ihrer Mischung aus Figuration, Historienbild und akademischer Malerei so gar nicht in die Zeit und zu den behandelten Themen zu passen schienen. An diesem scheinbaren Widerspruch beißen sich Interpret_innen noch immer die Zähne aus, wenn sie es nicht gleich vorziehen, den Maler mit dem Etikett des Ewig-Gestrigen zu versehen und links liegen zu lassen.

Die Toleranz eines Publikums, das Op und Pop Art, Konzept- und Aktionskunst zu akzeptieren gelernt hatte, endete oft dort, wo Grützke kontaminiertes Terrain betrat: eine mit viel Nuditäten operierende allegorische Bildsprache, die falsche Parallelen zu den realistischen Tendenzen in den totalitären Systemen des Nationalsozialismus und Stalinismus oder zum sozialistischen Realismus in der DDR ziehen ließ. Dabei handelte es sich bei Grützke um eine sehr bewusste Wahl der Waffen, von geradezu konzeptueller Stringenz: „Seiner äußerlichen Bildform steht er mit der rationalen Distanz eines Historikers gegenüber. Damit unter­scheidet er sich grundsätzlich von jenen Künstlern seiner Generation, die – oft mit deutlich nostalgischer Komponente – das traditionelle Prinzip des Realismus vertreten, und verhält sich so rational wie ein Konzeptkünstler, auch wenn seine Bilder äußerlich keineswegs nach Concept Art aussehen.“ (Lucius Grisebach)

Das Neue Museum präsentiert in seinen sechs Fassadenräumen knapp 20 Gemälde des Hauptvertreters der „Schule der Neuen Prächtigkeit“ aus der Sammlung Böckmann. Die Auswahl konzentriert sich auf die 1960er- und 1970er-Jahre und zeichnet ein Porträt Grützkes als bissigen Chronisten seiner Zeit, der vor karikaturesker Überzeichnung nicht zurückschreckte, um der saturierten und selbstgefälligen Gesellschaft der Bundesrepublik den Spiegel vorzuhalten. Bei den Selbstporträts, denen ein eigenes Kapitel gewidmet ist, ist der wörtliche „Blick aus dem Bild“ zum Studium der eigenen Physiognomie unabdingbar. Es ist jedoch auch ansonsten für die Dramaturgie des Malers charakteristisch, dass er durch direkten Blickkontakt seiner Bildfiguren mit den Betrachter_innen diese ins Bildgeschehen einbezieht. All diese Aspekte sucht der Titel der Schau anzudeuten.

Kooperation

Ermöglicht durch Dauerleihgaben der Sammlung Böckmann

Saalzettel zum Download

Weitere Informationen zur Präsentation bietet unser Saalzettel, den Sie hier als PDF ansehen bzw. donwloaden können.