Ausstellung
ab 15.10.2021 bis 06.02.2022

Keith Sonnier

Lightsome

Keith Sonnier – mit diesem Namen verbinden sich vor allem die Lichtarbeiten des 1941 in Louisiana, im Deep South der USA geborenen Künstlers. Sonnier setzte ab den 1960er-Jahren kontinuierlich Licht in Form von Neon- und Argonröhren wie auch handelsüblichen Glühbirnen zur Schaffung skulpturaler Werke ein. Darin, wie im Übergang seiner bildhauerischen Werke vom Raum an die Wand, besteht sein innovativer Beitrag zur radikalen Erweiterung des Skulp­turen­be­griffs. Erstaun­lich ist auch, mit welcher Leichtigkeit sich Sonnier bereits zu die­sem frühen Zeitpunkt jeglicher Doktrin entzog – eine Haltung, die der im Juli 2020 verstorbene Künstler zeitlebens beibehalten sollte und mit der er ein viel­gestaltiges Werk schuf. Immer wieder wurde dieses Werk hierzulande und inter­national gezeigt. Das Neue Museum Nürnberg widmet Keith Sonnier nun eine umfangreiche Retrospektive, die sein Œuvre weit über die wegweisenden Licht­arbeiten hinaus in all seiner sinnlichen wie engagiert-sensiblen Diversität vorstellt.

In den 1960er-Jahren war Keith Sonnier mit Werken in bahnbrechenden Aus­stel­lungen vertreten: in Eccentric Abstraction (1966) und Anti-Illusion: Proce­du­res/Materi­als (1969) in New York sowie in Live in Your Head: When Attitudes Become Form (1969) in Bern und London. Sonniers Beiträge, wie die Kunst seiner Zeitgenossen Eva Hesse, Robert Morris, Richard Serra oder Richard Tuttle, wur­den als Angriff auf die Ästhetik und den Werkbegriff des damals dominierenden Minima­lismus gelesen und unter dem Namen der New Sculpture bekannt. Die prozess­basierten, ortsspezi­fischen Arbeiten Sonniers haben mit ihren kunst­fernen Materialien wie Latex, Fiberglas, Draht oder Aluminium und ihrer Verän­derung in der Zeit wesentlich den Postmini­malismus geprägt.

Mit seiner Hinwendung zu Video und Fernsehen hat Sonnier auch in den 1970er-Jahren erneut eine künstlerische Entwicklung maßgeblich mitvorangetrieben. So offenbart beispielsweise die in der Nürnberger Ausstellung gezeigte Video-Instal­la­tion Channel Mix aus dem Jahr 1972, ein Highlight der Sammlung des Neuen Museums, Sonniers tiefgehendes Interesse an medial-geprägten Sehkon­ventionen und deren Unterwanderung. Sein Publikum lässt er mit einer Doppel­projektion, die sich aus Fernseh-Live-Feeds speist, regelrecht in die Arbeit eintreten. Neben allen Fragen, die auf Übermittlungs­technologien zielen, wird sein Interesse an Farbräumen mehr als deutlich. Sonnier ist nicht müde geworden hervorzuheben, dass ihm das körperliche Empfinden von Licht viel bedeutsamer sei als das visuelle. Und auch andere Werke, wie diejenigen, die in den 1980er-Jahren auf seinen vielen Reisen nach Brasilien, Indien oder Japan oftmals in Zusammen­arbeit mit lokalen Handwer­ker_innen und traditionellen Materialien entstanden sind, zeugen von dem Wunsch, Kunst mit allen Sinnen erfahrbar zu machen.

Die weit über sechzig Arbeiten aus fünf Jahrzehnten umfassende Retrospektive im Neuen Museum Nürnberg zeigt, dass sich Keith Sonnier eine sensible wie spie­lerische Offenheit im Umgang mit verschie­denen ästhe­tischen Ausdrucks­formen zeitlebens bewahrt hat. Der Ausstel­lungstitel Lightsome bezieht sich so einerseits selbstver­ständlich auf Sonniers herausragende Lichtkunst und andererseits im Sinne von „heiter“ und „unbeschwert“ auf Sonniers Haltung als Künstler.

Großzügige Unterstützung erhält die Ausstellung neben internationalen Leih­gaben, etwa des Kunstmuseums St. Gallen, der Tate und vieler Privat­samm­ler_innen, durch den Nachlass des Künstlers sowie die Sac-O-Lait Keith Sonnier Foundation. Daneben beinhaltet sie ein ganz besonderes Konvolut: eine in lang­jähriger Zusam­menarbeit von Keith Sonnier mit Christa und Wolfgang Häus­ler (Häusler Contemporary) entstandene Sammlung von Werken aus allen Schaffens­phasen, die der Künstler selbst als reprä­sentativ für sein Œuvre erachtete.