Vorübergehende Schließung des Neuen Museums

Aufgrund der dynamischen Verbreitung des Corona-Virus hat die Bayerische Staatsregierung angeordnet, die staat­lichen Museen und Sammlungen vor­übergehend zu schließen. Das Neue Museum Nürnberg hat daher ab dem 14. März 2020 bis zunächst ein­schließ­lich 19. April 2020 geschlossen.

Wir bedanken uns für Ihr Verständnis.


Presseinfo

Was, wenn ...?

Zum Utopischen in Kunst, Archi­tek­tur und Design

Vom 3. April bis 20. September 2020 zeigt das Neue Museum Nürnberg unter dem Titel Was, wenn ...? eine interdisziplinäre Ausstellung zum Utopischen in Kunst, Architektur und Design. Dabei treten Positionen der Gegenwart in Dialog mit ausgewählten Referenzen der 1960er- und 1970er-Jahre. Zum einen ver­han­deln sie die Utopie als abstrakte Idee oder erheben sie selbst zum Werkprinzip. Zum anderen reflektieren sie bereits existierende Utopien und stoßen Perspek­tiv­wechsel sowie alternative Zukunftsmodelle an. Dabei geht es um das Verhältnis des Menschen zur Gesellschaft, zur Umwelt und zu neuen Technologien, aber auch um Modelle für Stadtentwicklung, Bilder von Staaten und Staats­gemein­schaften sowie Potenziale und Grenzen einer globalisierten Welt. Die Ausstellung nimmt die Forderung nach neuen Utopien für das 21. Jahrhundert auf, wie sie beispielsweise der Utopieforscher und Politikwissenschaftler Richard Saage for­muliert. Sie möchte dazu anregen, gesellschaftliche Diskussionen und Zukunfts­visionen nicht über dystopische Ansätze zu kreieren, sondern mit einem produk­tiven Diskurs neue und alternative Denkmodelle zu fördern.

Während die 1960er- und 1970er-Jahre nach den zwei Weltkriegen von zahl­rei­chen utopischen Entwürfen und Visionen der Zukunft geprägt waren, inten­si­vier­te sich in der Postmoderne wieder die Diskussion um die Gefahren des Tota­li­tä­ren, die aus ganzheitlichen, kompromisslosen Utopien drohen. Darüber hinaus zeich­ne­ten zunehmend dystopische Erzählungen warnende Szenarien einer dunklen Zukunft insbesondere im Hinblick auf Umwelt und Technologien.

Heute dagegen mehren sich die Stimmen aus verschiedensten Disziplinen, die neue Utopien für unsere Gegenwart fordern, um Diskurse wieder offener, positiver und produktiver zu gestalten. Dies bedarf eines aktualisierten Utopiebegriffs, der sich auch aus einer kritischen Reflexion der Geschichte generiert.

Das 20. Jahrhundert hat dafür zwei wesentliche Erkenntnisse gefördert: Zum einen kann es keine ideale oder beste Gesellschaft geben. Heute geht es vielmehr um bessere Gesellschaften. Zum anderen müssen Entwürfe in einer globalisierten Welt, deren gesellschaftliche Fragestellungen und Ziele immer komplexer werden, Teilüberlegungen sein.

Begreift man wie die britische Soziologin Ruth Levitas die „Utopie als eine Metho­de“ und nicht als ein Ziel, gewinnt das Konzept für die Gegenwart unmittelbare Bedeutung. Die Utopie eröffnet so einen geistigen Freiraum für eine kritische und produktive Reflexion unserer Gegenwart und Zukunft. Damit bildet sie ein großes Potenzial für Kunst und Gestaltung als kreative Motoren der Gesellschaft.

Die Ausstellung Was, wenn ...? präsentiert über 30 internationale Künstler_innen und Gestalter_innen, die das Potenzial des Utopischen verhandeln. Während bei­spielsweise das belgische Architekturkollektiv Traumnovelle in seiner Installation genau jenen geistigen Freiraum als Grundbedingung von Utopien eröffnet, reflek­tieren das kubanische Künstlerduo Los Carpinteros (Dagoberto Rodríguez Sán­chez und Marco Antonio Castillo Valdés) und das österreichische Designerduo mischer’traxler (Katharina Mischer und Thomas Traxler) die Wirkmacht und Fragilität von Utopien. Die chinesische Künstlerin Cao Fei stellt automatisiertes und kreatives Handeln sowie das Verhältnis von individuellen und gesell­schaft­li­chen Utopien gegenüber. Werke des koreanischen Künstlers Nam June Paik oder der Deutschen Martin Kippenberger und Joseph Beuys widmen sich der globalen Vernetzung und dem Überwinden von realen und geistigen Grenzen.

Richard J. Dietrichs Meta-Stadt tritt als Beispiel modularer Stadtplanung der 1960er-/1970er- Jahre in den Dialog mit der Collage idealer und utopischer Städte des 20. und 21. Jahrhunderts von WAI Architecture Think Tank (Cruz Garcia & Nathalie Frankowski). Das dänische Büro Gehl Architects und das österreichische Designer- und Architekturstudio Wideshot zeigen, wie die Stadt der Zukunft im Einklang mit smarten Technologien, Nachhaltigkeit und lebenswertem öffent­li­chem Raum aussehen könnte. Projekte wie Roadmap 2050 von OMA in den Nie­derlanden oder The European Balcony Project des European Democracy Labs aus Berlin stellen einen Bezug zur aktuellen Politik her und initiieren mit ihrem Vor­schlag für ein nachhaltiges gemeinsames Energienetz beziehungsweise der For­derung nach einer europäischen Republik zugleich die Frage, wie wir heute Euro­pa überhaupt sehen können und wollen.

Darüber hinaus zeigt die Ausstellung alternative Perspektiven zu unserem Ver­hält­nis zu Technik und Natur auf. Das britische Designerduo Dunne & Raby widmet sich beispielsweise dem potenziellen Zusammenleben von Mensch und Robotern. Der australische spekulative Architekt Liam Young visualisiert die Utopie einer Planet City, in der die gesamte Menschheit lebt und den Rest des Planeten der Natur überlässt. Die britische Designerin Alexandra Daisy Ginsberg kreiert schließ­lich die Utopie einer Marsbevölkerung durch Pflanzen, bei der nicht der Profit des Menschen durch Ausbeutung an erster Stelle steht.

Beteiligte Künstler_innen

Gezeigt werden Beiträge u. a. von Joseph Beuys, Richard J. Dietrich, Dunne & Raby, European Democracy Lab, Cao Fei, Peter Fischli / David Weiss, Gehl Architects, Alexandra Daisy Ginsberg, Mike Kelley, Los Carpinteros, mischer’traxler, OMA, Nam June Paik, Yara Said / The Refugee Nation, Traum­novelle, WAI Architecture Think Tank, Wideshot, und Liam Young.

lAUFZEIT

3. April bis 20. September 2020