Presseinfo

Stadtmacherei

Kreative Arbeit für das Nürnberg von morgen

Nürnberg ist eine für das heutige Mitteleuropa typische postindustrielle Stadt mit all den Herausforderungen und Chancen, die sich ihr durch den Strukturwandel von der Industriegesellschaft zur Informationsgesellschaft stellen. Auf der Suche nach Formen des Lebens und Arbeitens für die Stadt im 21. Jahrhundert gilt die Kreativwirtschaft mit ihren neuartigen und alternativen Lösungen als eine wesentliche Innovationskraft.

In diesem Sinne stellen das Neue Museum und das N2025 Bewerbungsbüro Gestalter_innen, Macher_innen und Aktivist_innen vor, die Stadtentwicklung aus der Perspektive kreativer Arbeit denken und erproben. Im Fokus stehen gesell­schaftlich relevante Projekte und Initiativen, die hinsichtlich eines künftigen Zusammenlebens und Zusammenarbeitens in der Metropolregion Nürnberg sozial und ökologisch nachhaltige Impulse setzen.

Die Ausstellung Stadtmacherei würdigt dabei insbesondere die enorme Wich­tig­keit selbstständiger kreativer Arbeit für die Stadtentwicklung in der Metropol­region Nürnberg und vermittelt diese exemplarisch anhand zahlreicher kura­to­risch ausgewählter Projekte und Initiativen. Stadtmacherei zeigt neue Formen des Konsumierens und Produzierens, bietet Einblick in unterschiedliche Gestal­tungs­praxen, vermittelt individuelle Sichtweisen mittels Kurzportraits, präsentiert alte und neue Standorte und entsprechende Ton-, Bild- und Dingwelten. Vor allem aber lässt sie die Akteur_innen zu Wort kommen und ebenso über Potentiale wie auch Defizite in ihrem Lebens- und Arbeitsraum sprechen, um davon ausgehend neue Konzepte zur (Mit-)Gestaltung der Stadt von morgen zu diskutieren.

Dabei spielen lokale Produktion und Müllvermeidung bis hin zu Möglichkeiten der Kommunikation kultureller Angebote eine ebenso wichtige Rolle wie die Wie­der­belebung von Leerstand und die Rückeroberung des öffentlichen Raumes oder die Zusammenführung unterschiedlicher sozialer Schichten und Genera­tio­nen über gemeinsame Gestaltungspraxen. Gezielt stehen Projekte mit gestal­teri­schem Mehrwert im Kontext der Stadtentwicklung im Fokus der Präsentation. Dazu zäh­len Projekte, die sich auf sinnlich-ästhetischer Ebene positiv etwa auf Raum­erleb­nisse, auf die visuelle und materielle Qualität von Produkten und Kommuni­ka­tions­mitteln, aber auch auf die Wirkung von Orten wie Gärten, Begegnungs- und Werkstätten und andere Treffpunkte für zwischenmenschlichen Austausch aus­wir­ken oder diese überhaupt erzeugen. Große Initiativen bereichern gesell­schaft­liche und urbane Gefüge dabei ebenso wie kleine, aber nicht weniger engagierte Vorhaben.

Die vorgestellten Projekte engagieren sich in Bereichen wie Sharing Economy (LeihBu), dem Ermöglichen von Kommunikation und Netzwerken (curt, Creative Monday), soziales Engagement (Straßenkreuzer), Stadtteilzentren und -gärten (DESI, Nordgarten), selbstverwaltete Kulturszene (Edel Extra), inklusives Arbei­ten (Heimat), Secondhand-Kultur (Vinty’s), der Wiederbelebung traditionellen Handwerks (Papieroffizin), Co-Working (Heizhaus), lokaler und nachhaltiger Produktion (New Kids in the Hood), Vermeidung von Müll (Zero Hero) und etlichen weiteren. Manche der Initiativen sind in verschiedenen Feldern tätig (Bluepingu), schaffen Netzwerke und erschließen neue Orte (N.ORT/­Kultur­haupt­städtla), beziehen Ideen von Bürger_innen explizit in die Stadtgestaltung mit ein (Urban Lab/Quartier U1) oder schaffen durch ihre Arbeit Räume für die regionale Szene (Sommer-/Winterkiosk, MUZ, Forum für angewandte Kunst, SupermART).

Im unteren Foyer des Neuen Museums werden diese Inhalte in Form eines begeh­baren Zukunftsarchivs gebündelt und über Fotografien, Grafiken, Filme, Texte sowie Video-Interviews mit den Protagonist_innen auf interaktiv bedienbaren Screens präsentiert. Die Ausstellung Stadtmacherei macht bereits Praktiziertes und noch Visionäres nicht nur sinnlich erfahrbar, sondern erlaubt es den Besu­cher_­innen zusätzlich, frei nach ihren persönlichen Anliegen und Interessen zu sortieren und die Stadt von morgen interaktiv zu erforschen.

Diese Form des begehbaren Medien- und Wissensraums wurde erstmalig unter dem Titel Tomorrow Is... Zur Zukunft kreativer Arbeit für departure (das Kreativ­zentrum der Wirtschaftsagentur Wien) entwickelt und 2014 im Wiener Museum für angewandte Kunst präsentiert. Er basiert auf der Knowledge Box von Ken Isaacs aus dem Jahr 1962 und reist als räumlich adaptier- und programmierbare Installation an verschiedene Orte.

Das Neue Museum Nürnberg und das Kulturhauptstadtbewerbungsbüro N2025 nutzen die Knowledge Box als Tool, die Stadtarbeit und deren Kreativszene für den Kulturhauptstadtbewerbungsprozess vorzustellen. Darüber hinaus kann die­ses mediale Archiv online über den Ausstellungs- und Bewerbungsprozess hinaus verfügbar sein. Stadtmacherei soll zum Nachahmen und Initiieren weiterer gesell­schaftlich relevanter Projekte anstiften und Gestaltungs- und Handlungsräume eröffnen, in denen ganz alltägliche Probleme gelöst, aber auch neue gesell­schaft­liche Utopien formuliert werden können.

Die Installation ist bei freiem Eintritt im Foyer des Neuen Museums während der Öffnungszeiten jederzeit zugänglich.

Initiator_innen

Initiator_innen des Projekts sind Eva Kraus (Direktorin Neues Museum Nürn­berg) und Hans-Joachim Wagner (Leiter Bewerbungsbüro Kulturhauptstadt Eu­ropas 2025). Ein kuratorisches Team aus Mitarbeiter_innen des Neuen Museums und des Kulturhauptstadtbewerbungsbüros wird unter Beratung der Design- und Kulturwissenschaftlerin Martina Fineder, Professorin an der Universität in Wup­per­tal, das Projekt begleiten. Das technische Entwicklungsteam der Know­ledge­Box aus Wien rund um Andreas Pawlik (Dform.at) sowie Antje Mayer-Salvi (Redost.com), zuständig für den Video-Content, wird die Realisierung in Nürn­berg betreuen.

Kooperation

Stadtmacherei wird realisiert im Rahmen des Kultur­haupt­stadt­bewerbungspro­zesses N2025 und des Jubiläumsjahres 2020*20 im Neuen Museum Nürnberg.

Laufzeit

26. Juni bis 27. September 2020