Tilo Schulz, "There’s a circle in your life that needs to be repeated", 2014 - Foto: Raimund Zakowski
beendet am
17
07
2016

Sammlungspräsentation

Steinle Contemporary Revisited

Carsten Fock – Tilo Schulz – Simon Wachsmuth

Die Münchener Galerie Steinle Contemporary präsentierte von 2007 bis 2012 mitten in Schwabing ein ausgesprochen junges Programm mit konzeptioneller Ausrichtung. Zur Erinnerung an die im vergangenen Jahr verstorbene Galeriegründerin Helga Steinle (1942-2015) erfolgt eine Schenkung an das Neue Museum durch die beiden Töchter aus dem Nachlass. Zusätzliche Erwerbungen kommen hinzu, die ebenfalls durch Mittel aus dem Erbe ermöglicht werden.

Die großzügige Schenkung bereichert die Sammlung des Neuen Museums um Werke von drei bislang noch nicht vertretenen Künstlern, die national und international verstärkt Anerkennung finden: Carsten Fock (geb. 1968), Tilo Schulz (geb. 1972) und Simon Wachsmuth (geb. 1964). In einer Sammlungspräsentation werden die drei Künstler in getrennten, doch zusammenhängenden Räumen vorgestellt, die sie selbst konzipiert haben.

Carsten Fock öffnet die Selbstreflexion von Malerei und Zeichnung für das Transzendente, ja Christlich-Religiöse, ohne dabei erzählerisch zu werden. Seine linear geprägten oder durch Schraffuren gekennzeichneten Bilder sind von informeller und gestischer Kunst der Nachkriegszeit beeinflusst. Typisch ist auch die von ihm praktizierte installative, räumliche Setzung, bei der die Isolation der Kunst auf der Wand aufgebrochen wird.

Der bislang durch die Neueinrichtung von drei Design-Räumen im Haus in Erscheinung getretene Künstler Tilo Schulz präsentiert sich mit einer großen Rauminstallation als subtiler Interpret minimalistischer Formen, deren stereometrische Reinheit durch die assoziative Kraft ihrer Materialität, hier eines Cordstoffes, aufgeladen ist. Die beiden zusammenhängenden, monumentalen Zylinder zu durchschreiten, verändert Raumwahrnehmung und Körpergefühl des Betrachters, ebenso wie es an sein metaphorisches Denken und eine politisch-gesellschaftliche
Erfahrung appelliert.

Simon Wachsmuth beschäftigt sich in seiner Kunst mit Konstruktion und Rekonstruktion von Geschichte. Drei Tafeln aus dem Mnemosyne-Atlas des großen Kunsthistorikers Aby Warburg werden ihrer bildlichen Inhalte beraubt. Die Leerstellen verwandeln sich in Projektionsflächen für den Betrachter, der sich in spiegelnden Magnetkugeln selbst ins Bild versetzt wiederfindet. Dies ist als Darstellung der in der Kunstrezeption so wichtigen Verbindung des Kunstwerks, des Umraums und des Betrachters zu verstehen.