Sammlung
ab 22.11.2019

Ross Bleckner

Overhead and Below

Den New Yorker Maler Ross Bleckner (geb. 1949) gilt es in Deutschland noch zu entdecken – anders als in den Vereinigten Staaten, wo ihm 1988 das San Francisco Museum of Modern Art und 1995 das Solomon R. Guggenheim Museum in New York Einzelausstellungen widmeten.

Mit einer großen Präsentation in den sechs Fassadenräumen sowie einem weiteren Raum der Sammlung stellt das Neue Museum einen Künstler vor, der souverän über höchst unterschiedliche Ausdrucksmöglichkeiten verfügt und dabei keine Grenze zwischen gegenständlich und ungegenständlich akzeptiert. Von Bildserie zu Bildserie scheint sich Bleckner immer neu zu erfinden, um letztlich immer wieder von der Fragilität der Existenz und von der Sehnsucht des Menschen nach dem metaphysischen Fluchtpunkt hinter der Welt der Erscheinungen zu sprechen.

Der Tod ist allgegenwärtig in Bleckners Œuvre und vermählt sich in seiner Malerei mit der Schönheit. Bilder von prächtigen Blüten oder von menschlichen Zellen, die der Künstler in leuchtende Lampions verwandelt (In Sickness and Health, 1996), erforschen ein unbekanntes Terrain zwischen Biologie, Psycho­logie und Identität. Wenn fast unmerklich zwischen den Streifen eines Bilds von 1987 Buchstaben hervorscheinen, die die Wörter „Remember Them“ zu lesen geben, dann geht es auch bei diesem Epitaph um jene unbegreifliche Krankheit, die Ross Bleckner nachhaltig beschäftigt: AIDS. 2016 stellte Rafael Jablonka in der Böhm Chapel fünf Gemälde aus Ross Bleckners Serie Architecture of the Sky aus. Zwei dieser Gemälde, die den Opfern von AIDS ein eindrucksvolles Denkmal in Gestalt von Himmelskuppeln setzen, die an Schinkels Zauberflöten-Bühnenbild erinnern, werden auch in Nürnberg zu sehen sein. Diese Begegnung mit einem großen Maler der Gegenwart, die durch großzügige Leihgaben aus der Appletree Collection ermöglicht wird, deckt einen Zeitraum von der Mitte der 1980er Jahre bis heute ab.