Sammlung
ab 30.11.2018

Gilbert & George

Fuckosophy

Sie gehören zu London wie die Queen: Gilbert & George (geb. 1943/1942), auch wenn die beiden Künstler, die seit 2008 verheiratet sind, ins traditionsbewusste Königreich kaum zu passen scheinen. Nichts ist ihnen heilig, vor nichts schrecken sie zurück. Tabus sind nur dazu da, gebrochen zu werden.

Von Anfang an rückten die beiden Künstler ihre Person in den Mittelpunkt ihrer Werke. Ob als „Living Sculptures“ oder als Schöpfer großformatiger Foto­montagen, die mitunter an viktorianische Glasgemälde erinnern. Ihre Bildsprache ist von der Pop Art ebenso inspiriert wie von sakraler Kunst. Die stets mehr­teiligen, grellen, in der Regel symmetrischen Kompositionen dienen einer unerbitt­lichen Bildpropaganda, die sich gegen Homophobie, Diskriminierung und Rassismus, gegen Religion insgesamt, vor allem aber gegen Pietismus und Katholi­zismus richtet.

Zur unlängst in der Londoner Galerie White Cube zu Ende gegangenen Ausstellung The Beard Pictures and Their Fuckosophy hieß es auf der Website: “Please note that this exhibition contains multiple swear words.“ Im Neuen Museum wiederholt sich ausdrücklich diese Warnung, angesichts der schier endlosen Tirade aus bösen „F…“-Wörtern. Möglich wird die „geschmacklose Zumutung“ dank der leidenschaftlichen Sammeltätigkeit von Kerstin Hiller und Helmut Schmelzer, die mit ihrem Ankauf an einen lokalgeschichtlich interes­santen Auftritt von Gilbert & George 1970 in der Kunsthalle Nürnberg anschließen.