Sammlung
ab 27.09.2019

Diet Sayler

Der Zufall lügt nicht

Am 15. Dezember 2019 feiert Diet Sayler seinen 80. Geburtstag. Das Neue Museum nimmt dies zum Anlass, um den letztjährigen Kulturpreisträger der Stadt Nürnberg in zwei Räumen des Obergeschosses mit einem Querschnitt seines aktuellen Schaffens zu präsentieren. Dabei stehen zwei große, jeweils ganze Wände einnehmende Arbeiten im Mittelpunkt. Die Schau schließt an die Präsentation Diet Sayler. Die Realität der Poesie an, die das Neue Museum 2013 gezeigt hatte.

Geboren wurde Diet Sayler 1939 in Timişoara, dem Zentrum des Banats, wo bis zum Zweiten Weltkrieg Donauschwaben die größte ethnische Gruppe bildeten. 1972 kehrte der Künstler dem autoritären Staat Ceaușescus den Rücken und emigrierte nach Deutschland. An der hiesigen Akademie der Bildenden Künste lehrte er von 1992 bis 2005 als Professor. Mit seiner Ausstellungsreihe konkret, die von 1980 bis 1990 viele bedeutende Künstlerinnen und Künstler nach Nürnberg brachte, stellte Sayler die verschiedenen Spielarten der Konkreten und Konstruktiven Kunst vor und machte Nürnberg zu einer heimlichen Hauptstadt dieser Strömungen. Diet Sayler darf selbst mit Fug und Recht einer der wichtigsten konkreten Künstler Europas genannt werden.

Unabhängigkeit von allen künstlerischen und intellektuellen Moden zeichnet den Künstler bis heute aus. Da er unter einer Diktatur zu leiden hatte, ist für Diet Sayler Kunst ohne Freiheit undenkbar. Und dies im gesellschaftlichen wie im künstlerischen Sinne. Der Künstler zählt deshalb zu den unorthodoxen Vertretern der konkreten Zunft. An die Stelle der klassischen Grundformen Quadrat, Kreis und Dreieck treten bei ihm individuelle Formsetzungen, die der Künstler auf der Grundlage eines aus Quadraten, später dann aus Rechtecken bestehenden Rasters entwickelte. Mit diesen „Basics“ oder „Basiselementen“ schuf sich Sayler ein eigenes Formenrepertoire, aus dem er bis heute schöpft. Dabei betont der Künstler stets den intuitiven Ursprung seiner Formensprache, die sich gegen den Totalitarismus des scheinbar Objektiven verwahrt und jedes allein seligmachende Dogma zum Teufel schickt: „Das Bekenntnis zur Subjektivität ist ein Bekenntnis zur künstlerischen Freiheit, zur eigenen Position und eine Absage an jede künstlerische oder gesellschaftliche Ideologie.“ (Diet Sayler)