Ausstellung
ab 25.10.2019 bis 01.03.2020

Out Of Order

Werke aus der Sammlung Haubrok, Teil 1 und Teil 2

Mit „Kunst kommt nicht von Können, Kunst kommt vom Denken-Können“ zitiert Axel Haubrok eine berühmte Redewendung und münzt diese gleichzeitig um. Dass das Nachdenken über Kunst, über ihre ästhetische Dimension, ihre kommu­nikative Fähigkeit, ihre Suche nach Erkenntnis und Erhabenheit, generell die Aufgabe der Kunst in der Gesellschaft eine dem System immanente Fragestellung, aber genauso auch ein wichtiger Faktor in der aktuellen Kunstproduktion ist, zeigt die Beschäftigung mit der Sammlung Haubrok.

Minimalistisch, schwarz-weiß oder monochrom sind nur einige Eigenschaften vieler Werke dieser Sammlung. Formalästhetisch sind sie oftmals reduziert und konzeptionell ausgerichtet. Gleichzeitig verbirgt sich hinter den medial sehr unter­schiedlichen Werken immer auch Humor oder subtiler Charme. Da ist beispiels­weise die fahrbare, weiße Wand des österreichischen Künstlers Heimo Zobernig, der täglich frische, opulente Blumenstrauß auf einem schlichten, hohen Sockel des Niederländers Willem de Rooij, oder die Saros Wand des in London ansäs­sigen, deutschen Fotografen Wolfgang Tillmans, die das Phänomen der Sonnen­finsternis fotografisch porträtiert und um Fotos aus anderer Quelle ergänzt, die eine entsprechende Anmutung haben. Diese und eine Vielzahl weiterer Arbeiten aus der Sammlung Haubrok u. a. von Hans-Peter Feldmann, Günther Förg, Wade Guyton, Georg Herold, Cady Noland, Charlotte Posenenske, Florian Pumhösl, Karin Sander und Christopher Williams zeigt das Neue Museum in einer zwei­teiligen Ausstellung.

Barbara und Axel Haubrok haben Ende der 1980er Jahre angefangen profes­sio­nell zu sammeln, bis heute haben sie über 1000 Werke zusammen­getragen. Ihr Fokus richtet sich auf internationale Positionen der Konzeptkunst um die Jahrtau­sendwende, ihre Zeitgenossenschaft der letzten drei Jahrzehnte ist in ihrer Samm­lung gut repräsentiert. Mit großem Gespür für reflektierte Künstler­persön­lich­keiten haben sie sich einen Namen gemacht. Es zeichnet sie aus, dass sie museale Größen sammeln, Skulptur und Malerei, Fotografie und Film, aber auch in-situ-Installation sowie zahlreiche kleinformatige Ephemera. Bis heute fördern die Haubroks leidenschaftlich Aktivitäten zeitgenössischer Kunst- und Kultur­schaf­fender, beispielsweise mit Ausstellungen in der FAHRBEREITSCHAFT in Berlin Lichtenberg.

Programmatisch für die rege und abwechslungsreiche Ausstellungstätigkeit und das konzeptuelle Denken der Sammler steht auch das im Neuen Museum sich ändernde Ausstellungsformat: Highlights aus der Sammlung werden in zwei auf­einander folgenden Ausstellungsteilen in sehr unterschiedlichen Präsen­tations­formen gezeigt. Die Klammer wird insbesondere durch einige der gewählten Künstler­positionen, die in beiden Teilen präsent sind und dadurch in ganz anderen Kontexten auftauchen werden, gegeben sein.

Dass die Ausstellung Out Of Order betitelt wird, heißt nicht, dass die Werke „außer Betrieb“ wären - im Gegenteil. Vielmehr kann dieser Titel wortwörtlich verstanden werden: Das „aus der Reihe“ tanzen, keinem Ordnungsprinzip folgen wollen zeugt vom Schalk und der Non-Konformität der Sammler, die besonders „unordentliche“, doppelbödige und hintergründige Positionen im Blick haben.
Das Neue Museum präsentiert über 100 herausragende Werke aus einer der wichtigsten deutschen Sammlungen, die erstmals im süddeutschen Raum vorgestellt wird. Das Denken- und Nachdenken-Können im Kontext der Sammlung Haubrok muss man nicht allzu komplex verstehen - vieles vermittelt sich auch sehr einfach, humorvoll und direkt.