Ausstellung
ab 12.07.2019 bis 06.10.2019

David Reed

Vice and Reflection #2

David Reed (geboren 1946 in San Diego, lebt und arbeitet in New York) zählt zu den bedeutendsten Malern der Gegenwart. Bereits Mitte der 1970er Jahre überführte er die ausdrucksgesättigte Geste des Pinselstrichs in eine artifizielle, höchst kontrollierte Darstellung des „Brushstrokes“. War die Spur der Hand im Abstrakten Expressionismus noch Ausweis der Innenschau des Künstlers, verwandelte sie David Reed in einen Gegenstand von Analyse und reflektierter Manipulation. Dies kam einer konzeptuellen Wende in der Geschichte der amerikanischen Malerei gleich. Dem intellektuellen Ansatz entspricht die elaborierte Maltechnik mit Alkyd, die zu außergewöhnlichen Effekten führt und den Bildern eine an Fotografie wie Manierismus erinnernde Glätte, Makellosigkeit und Eleganz verleiht. Mittels Schablonen kann der Künstler Motive replizieren. Diese Technik ermöglicht David Reed schon seit einigen Jahren selbstreferentielle Rückgriffe. In schier endlosen Arbeitsprozessen trägt der Künstler Farbe auf, um sie dann wieder partiell abzuschleifen. Erscheinen und Verschwinden werden so zu gleichwertigen Phänomenen. Die Resultate können neben den Werken der alten Meister, die David Reed überall auf der Welt studiert, bestehen, ja mehr noch: Sie verlängern die große Tradition der abendländischen Malerei in unsere Gegenwart.

Für eine Ausstellung im Pérez Art Museum in Miami schuf David Reed eine neue Serie von Werken, die 2016/17 im großen Saal des von Herzog & de Meuron errichteten Hauses erstmalig präsentiert wurden. Die vier jeweils 190 x 460 cm messenden Bilder (drei Quer- und ein Hochformat) werden zusammen mit zugehörigen Zeichnungen im Sommer 2019 zum ersten Mal in Europa zu sehen sein. Die Ausstellung im Neuen Museum Nürnberg bietet einen spektakulären Einblick in das aktuelle Schaffen David Reeds. Sie fokussiert sich auf ein singuläres Werk, das in vielerlei Hinsicht für das Denken und Schaffen des Künstlers zu stehen vermag.

Für die vier Gemälde #658, #659, #660 und #661 hat sich David Reed auf #212 (1984/85) rückbezogen. Dieses ältere Bild, das sich durch satte Blau- und Gelbtöne auszeichnet, hat neben der für Reed typischen Nummerierung ausnahmsweise auch einen Titel. Es heißt Vice, nach der legendären amerikanischen Fernsehserie Miami Vice, die zwischen 1984 und 1989 in fünf Staffeln produziert wurde. Allein schon die extrem gestreckten Formate David Reeds verraten, welche Bedeutung die Filmästhetik für die Konstitution seiner Bilder hat. „Ich mag breite, horizontale Cinemascope-Leinwände, weil sie das Gefühl von einer kommenden und gehenden Bewegung ermöglichen“, sagt der Künstler. Darüber hinaus machte er sich genuin filmische Mittel zunutze, um überkommene Kompositionsstrukturen zu überwinden: „Zoom und Schwenk, eingefügte Sektionen als Flashbacks, scharfe und verschwommene Bereiche, Verlängerungen über den Leinwandrand hinaus.“

Das Neue Museum Nürnberg besitzt in seiner Sammlung mit #453 (1996-2000) ein wichtiges Bild David Reeds. Der Künstler wird es in seine Ausstellung einbeziehen und zum Gegenstand einer Filmsequenz machen, die auf einem Bildschirm zu sehen sein wird. Dafür manipuliert der Künstler eine berühmte Einstellung aus dem Pilotfilm zu Miami Vice, in der die Kamera nächtliche Lichtreflexionen auf der Kühlerhaube eines durch Miami fahrenden Sportwagens einfängt. David Reed schmuggelt durch digitale Bearbeitung Reflexionen seines eigenen Gemäldes ein, sodass der Eindruck entsteht, der Wagen fahre unter Reeds Gemälde hindurch. So durchdringen sich Film und eine von Filmästhetik geprägte Malerei. Eindrucksvoll demonstriert David Reed, wie sich das alte Medium der Malerei öffnen kann für neue visuelle Erfahrungen.

Kurator

Dr. Thomas Heyden, Neues Museum