Ausstellung
von 20.03.2015 bis 21.06.2015

Gesichter – ein Motiv zwischen Figur, Porträt und Maske

Ausstellung

Bas Jan Ader, Candice Breitz, Marlene Dumas, Günther Förg, Keith Haring, Roni Horn, Alexej von Jawlensky, Franz Xaver Messerschmidt, Bruce Nauman, Julian Opie, Tony Oursler, Arnulf Rainer, Thomas Ruff, Eva-Maria Schön, Thomas Schütte, Cindy Sherman, Wiebke Siem, Heidi Sill, Sam Taylor-Johnson, Rosemarie Trockel, Andy Warhol, Gillian Wearing

 

Gesichter ziehen in den Bann. Sie sind das Merkmal nicht nur von Personen, sondern schlechthin vom Menschen selbst. Wenige Elemente ergeben schon das Schema, das die menschliche Figur unweigerlich wach ruft und so Geborgenheit vermitteln, Witz erzeugen oder auch Schrecken einjagen kann.

Das Motiv des Gesichts war in der Kunst als Träger subjektiver Inhalte nicht immer unumstritten. In der Geschichte der Kunst ist es zwar eng mit der traditionsreichen und angesehenen Gattung des Porträts verbunden, doch gerade im 20. Jahrhundert werden nicht nur abstrakte Strategien in der Bildniskunst gesucht. In den Kunstbegriffen der sechziger und siebziger Jahre wird die Darstellung der menschlichen Figur generell als zu anekdotisch oder narrativ tabuisiert und abgelehnt. Diese Ausstellung fragt nach Strategien und Wegen, auf welche Weise das Motiv des Gesichts ab den achtziger Jahren wieder verstärkt Eingang in die künstlerische Praxis finden kann. Heutzutage treten verschiedenste figürliche Motive und damit auch das Gesicht wieder vielfältig in Erscheinung, sei es im Videobild, in der Fotografie, als Skulptur, als Zeichnung, in der Malerei oder in der Installation. Das Gesicht wird in der Kunst heutzutage gerade unabhängig von seiner Porträtfunktion genutzt. Hier setzt diese Ausstellung an und stellt in monografischen und thematischen Räumen prominente Ansätze der zeitgenössischen Kunst seit 1970 vor. An zwei Stellen wird dabei ein punktueller Rückblick in die Kunstgeschichte unternommen, so zu dem Bildhauer Franz Xaver Messerschmidt (1736–1783) und zu Alexej von Jawlenski (1865–1941).

"Das Gesicht fasziniert die Menschen immer am meisten", erklärte Tony Oursler und stellte von Beginn an das Gesicht des Menschen in den Mittelpunkt seiner Arbeiten. Als Anfang der neunziger Jahre LCD Miniprojektoren verfügbar waren, projizierte er Gesichter direkt auf kissenartige, der menschlichen Physiognomie entsprechende Objekte, die ihm als Träger dienten. In welchen Nuancen und Ausrichtungen allein das Motiv des menschlichen Gesichts heute Einsatz findet, zeigen etwa die überpersönlichen, modellhaften Figuren von Thomas Schütte, Cindy Shermans fotografische Rollenbilder, die Porträts einer Marlene Dumas oder von Candice Breitz, Bruce Naumans Selbstversuche, die Familienporträts einer Rosemarie Trockel, die Gesichtsschemata von Julian Opie oder die Paßbildfotos eines Thomas Ruff. Die in den Werken angestimmten Themen sind oftmals von existentieller Bedeutung, etwa die Frage nach der eigenen Identität wie bei Roni Horn, nach der Kraft eines emotionalen Ausbruchs wie bei Sam Taylor-Johnson, nach der psychischen Verfasstheit wie bei Bas Jan Ader oder Arnulf Rainer.

Die Ausstellung versammelt knapp 50 Exponate von mehr als 20 Künstlern von internationalen öffentlichen wie privaten Leihgebern. Einige Werke entstehen speziell für diese Ausstellung, teilweise sind die Beiträge in Kooperation mit den Künstlern ausgewählt. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog. Für den Rundgang steht ein Begleitheft zur Verfügung. Zu Ausstellung wird ein Begleitprogramm angeboten.

Auszeichnung

Die Ausstellung Gesichter. Ein Motiv zwischen Figur, Porträt und Maske des Neuen Museums in Nürnberg vom Verband der Kunstkritiker AICA ausgezeichnet als „Besondere Ausstellung" im Jahr 2015.

Die deutsche Sektion der Internationalen Vereinigung der Kunstkritiker (AICA) vergibt in jedem Jahr eine Auszeichnung für das "Museum des Jahres", die "Ausstellung des Jahres" und die "Besondere Ausstellung". Für 2015 wurde die Ausstellung Gesichter. Ein Motiv zwischen Figur, Porträt und Maske des Neuen Museums in Nürnberg jetzt als „Besondere Ausstellung" ausgezeichnet.

Begründung der AICA:

„Die Ausstellung „Gesichter. Ein Motiv zwischen Figur, Porträt und Maske" (20.3. bis 21.6.2015) im Neuen Museum Nürnberg widmet sich auf kluge Weise einem Thema, das den Menschen seit jeher am meisten fasziniert. Sie ist also im besten Sinne populär, vermittelt aber zugleich kunsthistorische Einsichten. Die Ausstellung zeigt auf, wie nach jahrelanger Abstinenz, nach Abstraktion und Konzeptkunst, dieses Sujet in den achtziger Jahren zurückkehrt, nun aber nicht als konkretes Porträt, sondern als Interpretation eines medialen Bildes. Die Kuratorin Melitta Kliege gelingt dies anschaulich umzusetzen mit Beispielen von Marlene Dumas, Jan Bas Ader, Tony Oursler, Günther Förg und Rosemarie Trockel, um nur einige zu nennen. Entstanden ist ein aufschlussreicher Rundgang, der auf beiden Ebenen funktioniert: visuell und inhaltlich. Eine Essayausstellung mit gerade einmal 50 Arbeiten, die wissenschaftlich fundiert mit jüngster Kunstgeschichte arbeitet und zugleich ästhetisch reizvoll ist."

Damit erhält das Neue Museum in Nürnberg nach 2012 als die Ausstellung Gespenster, Magie und Zauber. Konstruktionen des Irrationalen von Füssli bis heute im Jahrbuch der Kunstzeitung zu den 10 besten Ausstellung in Deutschland gezählt wurde erneut eine Auszeichnung.