Ausstellung
von 12.04.2013 bis 16.06.2013

Experimentelles Bauen

Projekte der letzten 10 Jahre

Ausstellung (Unteres Foyer)

Im Herbst 2013 realisiert das Neue Museum in Kooperation mit dem Institut für Architektur und Städte­bau ein Projekt auf dem Klarissenplatz, das den Titel Unschärfe trägt. Im Vorgriff auf dieses Projekt werden innovative Projekte des Instituts aus den letzten zehn Jah­ren in einer Ausstellung im Unteren Foyer vorgestellt.

Die Gründung des Instituts erfolgte im Jahr 2004, um dem Studiengang Architektur an der Hochschule ei­ne Forschungsplattform zur Verfügung zu stellen. Den Schwerpunkt der Arbeit bildet das Expe­ri­men­tel­le Bauen. Bearbeitet werden architektonisch - räumliche Fragestellungen, die durch einen experimentellen Ansatz sichtbar und überprüfbar gemacht werden. Grundlegende Idee ist es, den planerischen, kreativen Ansatz so weit zu treiben, dass es möglich wird Entwürfe nicht nur zu denken und darzustellen, sondern auch praktisch umzusetzen und somit einen real erlebbaren Raum zu erzeugen. Die sinnliche Wahr­neh­mung als Wissenserweiterung steht dabei stark im Vordergrund. Konstruktive Neuinterpretationen ver­bunden mit morphologischen, visuellen und haptischen Erfahrungen sind Grundlage der entwurflichen Aufgabenstellung und deren experimenteller Realisierung.

Alle Projekte werden im Rahmen der Masterausbildung an der Hochschule mit den Studierenden ent­wickelt und umgesetzt, wobei nicht immer das ganze Projekt durch die Uni realisiert wird, sondern auch durch Beteiligung von Fachfirmen.

In der Ausstellung im Neuen Museum werden folgende Projekte vorgestellt:

Stabraum, 2004, verschiedene Standorte

Der Pavillon versuchte mit sehr reduzierten Mitteln (Holzstab) die Fragestellung der räumlichen Be­gren­zung und Grenzbildung erfahrbar zu machen. Hierzu modifiziert er eine gewählte geometrische Ordnung in ihr Gegenteil, in chaotische Unordnung. Ziel war auch, Architektur-Phänomene wie Offenheit / Ge­schlos­senheit, Ruhe / Dynamik oder Licht / Schatten in einem einzigen Raum erlebbar zu machen. Der Pavillon wurde von Studenten aus mehr als 4000 Laufmeter Holzstäben gebaut.

Cave, 2005, Oberstdorf

Aufgabe war der Bau eines innovativen, temporären, vollständig recylierbaren Erlebnisraums für Sportler als Treffpunkt für die Nordischen Skiweltmeisterschaften in Oberstdorf.

Realisiert wurde die Idee für diesen Low-Tech-Pavillon durch die Verwendung von rund 1.300 gestapelten Europaletten. Es entstand ein räumlich komplexer Erlebnisraum, in dem die Europalette nicht mehr als Produkt erkennbar, sondern Teil einer monolithischen, dreidimensional gekrümmten Raumskulptur war. Im Inneren entstand ein kuppelartiger Schutzraum mit meditativem Charakter.

Minimalräume, „raum.27", 2005-2008, Neu-Ulm

Wie wenig Raum benötigt der Mensch?

Der rasante, und unaufhaltsame Anstieg der Weltbevölkerung führte zu der Frage, ob und wie man alle wichtigen Wohnfunktionen auf einer Fläche von 3x3 Metern (Außenmaß) sinnvoll unterbringen kann. Welche Konsequenzen entstehen aus dieser räumlichen Verdichtung für die Nutzungen und die Ver­hal­tensweisen der darin wohnenden Menschen?

Es wurden drei transportable Raumzellen entwickelt, gebaut und auf der Landesgartenschau in Neu-Ulm installiert. Die Raumzellen ermöglichten das Schlafen, Leben und Arbeiten für eine Person und wurden während der Landesgartenschau jeweils 4 Wochen probehalber bewohnt. Die Bewohner im Alter zwi­schen 17 und 60 Jahren haben Tagebuch geführt und ihre Erkenntnisse und Erfahrungen des Lebens auf wenigen Quadtratmetern schriftlich niedergelegt.

x-modul, 2007, Hochschule Biberach

Wie kann man eine selbsttragende, transportable Wand aus möglichst wenig Beton bauen?

Im Rahmen eines von der Betonindustrie geförderten Seminars wurden Bauelemente aus Beton ent­wickelt, die zum einen eine selbsttragende Wandstruktur erzeugen, zum anderen mit möglichst wenig Material auskommen und die Eigenschaften des Betons als struktur-und formbildend nutzen.

Raum der Kontemplation,2009, Winnenden

Der Raum als dritte Haut des Menschen

Ziel war die Konfiguration eines Raumes, in den sich der Mensch setzen, legen, anlehnen, ruhen kann und in dem er somit selbst Teil der räumlichen Struktur wird. Entwickelt wurde die Raumstruktur aus ho­rizontal aneinander gefügten Wellpappeschichten, die sich den nutzungsspezifischen Bedingung nach Sitzen, Liegen etc. anpassen und so wie ein Maßanzug den Nutzer umgeben. Der Raum wurde zu­dem mit Minimalreizen – Lichtimpulsen, Gerüchen und Geräuschen – bespielt, die nur bei absoluter Ruhe, und Konzentration wahrgenommen werden konnten.

Tradition und Moderne, 2011, Garmisch-Partenkirchen

Der Informations- und Verkaufspavillon der alpinen Skiweltmeisterschaften in Garmisch Partenkirchen sollte in seiner Fassadenstruktur das Motto der Ski-WM auf architektonische Weise thematisieren und zur Diskussion stellen. Es galt also „Tradition und Moderne" als räumliche wahrnehmbares Phänomen darzustellen.

Herangehensweise war, anhand der Modifikation des „Holzstapels" als Fassadenverkleidung einen Pro­zess in konstruktiver und gestalterischer Art vom statisch gelagerten Baumstamm zur drei­di­men­sional bewegten Holzziegelwand anschaulich zu machen.

Unschärfe, 2012-13, Nürnberg, Neues Museum

Wie kann man räumliche Unschärfe darstellen?

Das Phänomen der Unschärfe soll hier räumlich interpretiert und umgesetzt werden. Mittels eines be­gehbaren, lediglich aus vertikal gestapelten Baustahlmatten konfigurierten Pavillons sollen die Phä­no­mene der unklaren, uneindeutigen und mit wechselndem Standort des Betrachters sich verändernden Raumgrenzen untersucht und beobachtet werden.

Stuttgarter Gästehaus auf dem evangelischen Kirchentag in Hamburg 2013

„Soviel Du brauchst"

Das Motto des Kirchentags war gleichzeitig Entwurfsthema für einen Studentenwettbewerb, an dem sich Studierende der Hochschule Biberach und der Universität Stuttgart eingeladen waren. Eine Stu­den­ten­gruppe der HBC ging als Sieger aus der Konkurrenz hervor. Das vorgegeben Thema wurde durch die ge­staltprägende Verwendung von Obstgroßkisten für die Fassadengestaltung umgesetzt. Eine vollständige Recyclierbarkeit der Obstkisten nach Ablauf des Kirchentages ist konstitutiv für die Entwurfsidee.

Kooperation

Eine Kooperation mit dem Institut für Architektur und Städtebau der Hochschule Biberach unter der Leitung von Matthias Loebermann.