Presseinfo

Ophelia und das Mannequin
Joachim Bandau
Frühe Skulpturen 1967-1974

2. Dezember 2016 bis 30. April 2017

Joachim Bandau (geb. 1936) hat in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren mit seinen Polyester-Plastiken das Menschenbild einer kritischen Neuformulierung unterzogen: „Der Mensch erscheint reduziert auf eine Kombination beliebig austauschbarer, totaler Kontrolle unterworfener Funktionsträger, als ein Monstrum, dessen Verkümmerung in den Plastiken zwar noch erkennbar bleibt, das jedoch in der kühlen, spiegelnd sauberen Glätte der farbigen Oberflächen weitgehend entschärft erscheint...", schrieb der Kunstkritiker Jürgen Morschel 1972.

In Bandaus Plastiken artikuliert sich die zeittypische, doch zugleich auch aktuelle Sorge um die Zukunft von Selbstbestimmung, Demokratie und Humanität. Der Künstler schuf eindrucksvolle Zerrbilder einer Gesellschaft, die in seinen Augen unaufhaltsam auf „1984" zusteuerte, auf die Perfektionierung von Unterdrückung, Manipulation und Entfremdung unter technischen Vorzeichen.

Die Gefährdung des Menschen und seiner Freiheit findet bei Bandau Ausdruck in einer versehrten, verstümmelten und monströs mutierten Figuration. Mit Vorliebe zersägte der aus Köln stammende Künstler Schaufensterpuppen. Ein Unterleib oder eine Brustpartie, symmetrisch auseinandergeklappt und mit glasfaserverstärktem Polyester überformt, ergab so manchen oberen Abschluss von Bandaus Plastiken.

Aus dieser frühen Werkphase, die Joachim Bandau den künstlerischen Durchbruch brachte, stellt der Künstler rund vierzig, teils lebensgroße Skulpturen dem Neuen Museum zunächst als Dauerleihgabe zur Verfügung und sichert zu, die Werke, die er bis zuletzt besitzt, einst dem Museum zu vermachen. Damit erfährt das Haus eine immense Bereicherung seiner Sammlung. Mit der aktuellen Präsentation, die eine Auswahl von 16 Skulpturen umfasst, nimmt das Neue Museum die Neuankömmlinge in Empfang und ehrt zugleich den Künstler, der im April 2016 seinen 80. Geburtstag beging.

Nürnberg ist über die Jahre Joachim Bandau ans Herz gewachsen. 1971 nahm der Künstler am Symposion Urbanum teil. Seine technoide Skulptur erhebt sich noch immer gegenüber der Kongresshalle an der Bayernstraße. 1972 wurde Joachim Bandau mit einer monografischen Ausstellung in der Kunsthalle Nürnberg gewürdigt, die anschließend in den Kunstverein Freiburg weiterreiste. Unter den ausgestellten „Figuren, Geräten und Monstren" befanden sich nicht wenige, die nun nach Nürnberg zurückkehren. Im November 1999, nur ein halbes Jahr vor der Eröffnung des Neuen Museums, wurde am Hallplatz Joachim Bandaus Denkmal für „Flucht und Vertreibung" eingeweiht. Dieses zentrale Denkmal des Freistaats Bayern besteht aus massivem Kupfer und bildet in Gestalt eines monumentalen Tores ein eindringliches Symbol. Im Neuen Museum wurde Joachim Bandau bereits 2010 in einer großen Ausstellung vorgestellt. Zu diesem Anlass wurden die Grusinischen Tänzer (1971), eine Gruppe kinetischer Plastiken aus der städtischen Sammlung, wieder instand gesetzt

Zur Präsentation erscheint ein Katalog im Verlag für moderne Kunst.

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