Gotthard Graubner. Chroma

Blick in die Ausstellung - Leihgabe aus Privatsammlung · © VG Bild-Kunst, Bonn, 2016 · Foto: Neues Museum (Annette Kradisch)
beendet am
03
10
2016

Ausstellung

Gotthard Graubner. Chroma

"Farbe ist mir Thema genug", so lautete das künstlerische Bekenntnis Gotthard Graubners (1930-2013). In seinen "Farbraumkörpern" entfaltete der Düsseldorfer Maler die Farbe in ihrer Tiefenräumlichkeit. Als Bildträger dienen Leinwände, die sich sanft über einer Unterfütterung aus Synthetikwatte wölben. Im Unterschied zur traditionellen zweidimensionalen Bildfläche, die als Ausschnitt einer umfassenderen Totalität gesehen und gedacht werden kann, sind Graubners Farbkissen in sich abgeschlossen. Die "Farbraumkörper" verleihen der Farbe einen Leib, der zu atmen scheint. Weichheit und Rundungen des "Farbleibs" gewinnen sinnliche Qualitäten.

Der Kunsthistoriker Max Imdahl hat die Farbkissen als "Bild-Gebilde" charakterisiert. Die greifbare Körperlichkeit des Bildträgers und die Unermesslichkeit des Farbraums sind darin unlösbar miteinander verschränkt. Farbe materialisiert sich. Umgekehrt entmaterialisiert sich der Bildträger im Erlebnis der Farbe. Vor Gotthard Graubners "Farbraumkörpern" macht der Betrachter eine doppelte Erfahrung, indem er sich, wie der Künstler sagt, "in diese Farbräume verlieren, gleichzeitig aber auch ... darin finden kann. Diese beiden Pole stellen einen ungeheuer wichtigen Aspekt dar. Zum Auf-sich-selbst-Beziehen gehört vielleicht auch ein Sich-selbst-Verlieren."

Mit rund 30 Werken aus vier Jahrzehnten – von 1960 bis 2000 – bietet die Ausstellung ein umfassendes Panorama der Malerei dieses großen deutschen Malers. Das Neue Museum Nürnberg beschließt damit seine dreiteilige Ausstellungsserie mit Werken aus der Sammlung Böckmann. 2014 war Gerhard Richter im Fokus gestanden, 2015 folgte A. R. Penck. Mit zusätzlichen Gemälden aus der Schenkung von Marianne und Hansfried Defet sowie aus der Sammlung internationaler zeitgenössischer Kunst der Stadt Nürnberg wird verdeutlicht, wie sich das Graubner-Konvolut aus der Sammlung Böckmann mit dem vorhandenen Bestand verzahnt.

Konzert zur Ausstellung

Die Ausstellung wird begleitet von einem Kooperationsprojekt des Neuen Museums mit der Hochschule für Musik Nürnberg.

Farbraumkörper – Klangraumbilder
Konzert am Sonntag, 17. Juli 2016, 13 Uhr

Musik im Rahmen der Ausstellung
Gotthard Graubner. Chroma

Studierende der Kammermusikklasse Prof. Nina Janßen-Deinzer, des Studiengangs Master Aktuelle Musik und Prof. Irene Urbach (Akkordeon) spielen Werke von Luciano Berio, Peter Gahn, Györgi Ligeti, José María Sánchez-Verdú, Salvatore Sciarrino u. a.

Das Konzert wird aufgezeichnet. Während der Laufzeit der Ausstellung ist es im Ausstellungssaal über Kopfhörer für die Besucher erfahrbar.

Das Konzert findet im Ausstellungssaal des Neuen Museums statt. Der Eintritt ist frei. Die Plätze sind begrenzt.

Die Aufführung beginnt im Anschluss an das Konzert der Pegnitzschäfer-Klangkonzepte "DeutschlandWeit - Karlheinz Stockhausen".